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 Erste Hilfe im Gewaltfall

1. Schritt: Situationsauffassung und -bewertung

Affektkontrolle ( Emotionskontrolle)
Das Erstverhalten ist so wenig als möglich von eigenen Affekten und Emotionen des Lehrers geleitet. Da bei einem bedeutenden Konflikt eine emotionale Beteiligung unvermeidlich ist, ist es umso wichtiger, die eigenen Emotionen zu kontrollieren, sonst werden die Chancen einer positiven Lösung von vornherein beeinträchtigt. 

Allparteilichkeit
Es müssen alle, die an der Gewaltaktion beteiligt waren, angesprochen und in die Problemlösung miteinbezogen werden. Auch wenn sich der Lehrer zunächst einem verletzten Schüler intensiver zuwenden muss, sollte im nachfolgenden Handeln deutlich werden, dass alle Beteiligten gleichberechtigt angesehen werden. Es darf keine vorschnelle Opfer-Täter-Zuschreibung erfolgen.

2. Schritt: Gewalt unterbinden

Gewalthandlungen beenden
Lehrer, die gewalttätiges Verhalten gegen Personen oder Sachen beobachten, müssen durch ihr Eingreifen sofort klare Grenzen setzen und Gewalttätigkeit soweit wie irgend möglich unterbinden. „Wegsehen“ fördert Gewalttätigkeit.

Deeskalation
Bei den Gewalt regulierenden Eingriffen dürfen Integrität und Würde der beteiligten  Personen nicht verletzt werden. „Grenzüberschreitungen“ wie Anfassen oder Wegziehen sollten nur dem Ziel der Gewaltunterbindung dienen und dürfen nicht als vorweggenommene Strafmaßnahme erscheinen. Affektgeleitetes vorschnelles Intervenieren kann zur Verschärfung der Gewaltsituation führen bzw. den Lehrer unnötigerweise in den Konflikt hineinziehen.

Handlungsmöglichkeiten offen halten
Der Lehrer sollte sich in seiner Empörung über das Verhalten von Schülern nicht vorschnell zu Drohungen oder Ankündigungen von Strafmaßnahmen hinreißen lassen. Diese könnten sich später bei genauerer Betrachtung des Konflikts als unangemessen oder unhaltbar erweisen. Beim Eingreifen in einen Konflikt ist es daher wichtig, sich alle weiteren Schritte offen zu halten und erst auf dem Hintergrund aller relevanten Informationen das weitere Handeln zu entwickeln.

3. Schritt: Festlegung der nächsten Handlungsschritte

Handlungsaufschub
In dieser Phase gwinnt der Lehrer Abstand von den vorhandenen Emotionen und kann in Ruhe darüber nachdenken, welche weiteren Schritte jetzt zu unternehmen sind. Er darf sich die Zeit für einen Handlungsaufschub gönnen, um dann mit klarem Kopf an die nachfolgenden Maßnahmen heranzugehen.
Die Zeit für einen Handlungsaufschub wird sich in Kürze „amortisiert“ haben.

Alternative Konfliktbewältigung
Den Beteiligten und den Beobachtern wird durch das Eingreifen des Lehrers auch deutlich, dass dieser nicht nur diese gewaltsame Art der Konfliktlösung missbilligt; der Lehrer zeigt ihnen auch – durch Wort und Tat – sein Bestreben, alternative Formen der Konfliktbewältigung zu entwerfen und einzuführen.

Folgeverhalten

4. Schritt: Erweiterung der Informationsbasis

Hier muss Folgendes geklärt werden:
Das Geschehen: was ist geschehen, wer ist beteiligt, was war vorher?
Die Erfassung der Ausgangsbedingungen;
die Verdeutlichung unterschiedlicher Sichtweisen;
die Durchführung des „Perspektivenwechsels“: ich „stecke in den Schuhen des anderen“ und betrachte von dort aus unsere Auseinandersetzung;
die Darstellung des Normenrahmens, der Spielregeln.

5. Schritt: Zielbestimmung

Hier sind für die Konfliktpartner bzw. mit ihnen folgende Punkte zu klären:
Was will ich erreichen?
Was soll sich ändern?
Ist mein Ziel realistisch? Ist eine Aufgliederung in Teilzielen besser?
Welche Lösungsalternativen gibt es?
Was haben die anderen Beteiligten für Ziele?
Wie können die unterschiedlichen Ziele zu einem gemeinsamen Ziel umformuliert werden?

6. Schritt: Planung und Realisierung der Maßnahmen

Die Maßnahmen können sich auf das Gewaltverhalten direkt beziehen
(Entschuldigung, Wiedergutmachung) oder auf die Ursachen des Konflikts:

Welche Personen sollen in die Überlegungen und Gespräche einbezogen werden?
Wie soll der Zeitplan für die Veränderungsmaßnahmen aussehen?
Wer führt wann welche Schritte aus?

7. Schritt: Verlaufs- und Erfolgskontrolle

Hier sind folgende Aspekte zu berücksichtigen:
Waren die Ziele zu weit gesteckt?
Konnte der Zeitplan eingehalten werden?
Ist das Fehlverhalten verschwunden?
Haben sich die auslösenden Bedingungen abgeschwächt?
Wie schätzen die betroffenen Schüler die Veränderungen ein?
Zeigen sich alle mit den erreichten Zielen zufrieden?

 

Die CHECKLISTE kann Ihnen bei der Klärung hilfreich sein.

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