Gewalt hat eine Geschichte und es ist zum Verständnis erforderlich, dass man außeinander hält, was Ursache, was Motiv und was Auslöser für Gewalttätigkeit ist und wann Gewaltbereitschaft im Kind angelegt und verstärkt wird:
Zu den Ursachen gehören vor allem die prägenden Eindrücke der ersten zwei bis drei Lebensjahre des Kindes, in denen es erlebt,
ob es angenommen, geliebt, versorgt, betreut, beachtet
und wahrgenommen wird,
ob es sich geborgen und gesichert fühlen kann in
vertrauter Umgebung,
oder
ob es Trennung erleiden muss von den wichtigsten
Personen seines Vertrauens,
ob es missachtet, misshandelt und missbraucht wird,
ob es vernachlässigt, ausgesperrt, ausgesetzt oder
abgeschoben wird,
ob es also in ständiger Ungewissheit bangen muss.
Zu den Motiven sind all jene Lebensumstände und Gewohnheiten zu zählen, die das Kind allmählich als Einstellungen und Einsichten zur Verfügung hat,
wenn es in partnerschaftliche Beziehungen hineinwächst,
Offenheit und Zustimmung ebenso erfährt wie Zutrauen
und Ermutigung,
wenn es sich daran gewöhnen kann, dass ein Vertrauen
in die nächsten Beziehungen gerechtfertigt ist,
oder aber wenn es sich ständig eingeengt fühlt und sieht, wie es immer wieder enttäuscht wird,
weil es nicht gebraucht wird,
weil ihm nichts zugetraut wird,
weil es sich nur unterzuordnen hat – vor allem unter die
zu hoch gesteckten Erwartungen der Eltern,
Ein kleines Kind kann diese Erwartungen zunächst überhaupt nicht und später nur unvollkommen erfüllen. Daraus erwächst das Gefühl nicht gut genug zu sein, ständig zu versagen. Dieses Gefühl wirkt weit in das Erwachsenenleben hinein und prägt.
Zu den Auslösern können dann die kleinen, unerheblich erscheinenden, einzelnen oder sich wiederholenden Anlässe, Situationen und Erfahrungen zählen, in denen sich ein Kind pro oder contra entscheiden kann, je nachdem
ob es gelobt wird,
ob es Freude erlebt,
ob es Signale, Worte und Gesten der Bewunderung, der
Anerkennung, der Achtung empfängt,
ob es angeregt, ermuntert, erheitert und entspannt wird,
oder
ob es getadelt, ermahnt oder bestraft wird,
ob es sich beleidigt fühlt, verletzt und missachtet,
ob es Anzeichen der Herabsetzung oder Entwürdigung
aufnimmt und deutet,
ob es aufgeregt, geängstigt und verunsichert wird,
ob es sich in unerträgliche Spannung oder unter
atemberaubende Bedrückung
gestürzt sieht.